Der Style der New Yorker

Der Style der New YorkerAnlässlich der New York Fashion Week im September liegt es nahe, den Modestil der Bewohner des Big APple einmal näher ins Visier zu nehmen. Denn in kaum einer anderen Stadt wird so viel Wert auf ein stimmiges Outfit gelegt wie in dieser Metropole. Hier lassen sich Designer von den Menschen auf der Straße inspirieren und kreieren so die Trends, die morgen Modemagazine auf der ganzen Welt aufgreifen.

Ein Blick auf die Insel Manhattan zeigt, dass alleine hier die unterschiedlichsten Stile vertreten sind und Individualismus groß geschrieben wird. Das gilt besonders für Lower Manhattan, den südlicheren Teil der Stadt und Brooklyn. In SoHo und dem West Village, wo amerikanische Designer wie Marc Jacobs mit kleinen eigenwilligen Boutiquen vertreten sind, fühlen sich Stylistas und Fashionistas besonders wohl. Deren Styling-Devise lautet: Anything goes (also, alles möglich). Vintage Bikerjacken werden schonungslos mit blumigen Seiden- oder Spitzenkleidern kombiniert. Dazu entweder flache Reiterstiefel oder aber High Heels. Die haben bei den New Yorkerinnen einen besonders hohen Stellenwert.

Ein paar Straßen weiter im angesagten Meatpacking District, das abends zum Ausgehviertel wird, ist chic und edel angesagt. Overdressed kann man hier gar nicht sein. Frauen in figurbetonten Bandagenkleidern mit 12 cm Plateau-Sandalen sind eher die Regel als eine Ausnahme. Einigen von ihnen sieht man die Strapazen, die ganze Nacht auf Kopfsteinpflaster wanken zu müssen, förmlich an. Doch keine würde das zugeben und auf ihre geliebten High Heels verzichten. Um die Schmerzen zu lindern, tragen die einen mit Gel gefüllte Luftkissen im Peeptoe, andere gehen sogar noch einen Schritt weiter und lassen sich Botox in die Fußballen spritzen. Für ein makelloses Aussehen und die Illusion von optischer Perfektion sind nicht Wenige bereit, zu so drastischen Maßnahmen zu greifen.

Weitaus entspannter geht es dagegen im alternativen und eher bodenständigen East Village zu. Hier halten sich bevorzugt Studenten und Küstler auf. Kein Wunder, wo die Restaurantpreise hier noch moderat sind. Der Dresscode ist dementsprechend relaxt und sieht eher nach „morgens nicht aus dem Bett gekommen“ als nach aufwendigem Make-Up aus. Vintage- und Flohmarktteile sind Keypieces, die mit günstigen Basics von Gap oder H&M aufgewertet werden. Jeanshosen- und Jacken gehören zum Straßenbild, ebenso wie Karo- und Flannellhemden. Die können in einem der kleinen Secondhandgeschäfte rund um den St. Marks Place erstanden werden.

Von Alphabet City im East Village ist man mit Linie L der Subway schnell in Brooklyns Williamsburg oder Bedford. Modisch lohnt sich ein Abstecher in diesen, weniger touristischen Teil New Yorks, auf jeden Fall. Viele Literaten, Kreative und Intellektuelle haben hier ihr zu Hause. Sie wissen um die Wirkung von Accessoires und peppen damit ihre sonst eher schlichte Garderobe bewusst auf. Ob große Sonnebrille im 70er Jahren Stil oder Pilotenbrille aus den 80ern – Sonnenbrillen sind Pflicht. Auch Unisex-Teile wie der Filzhut und flache Loafers oder Brogues kommen oft zum Einsatz und bieten eine herrlich frische Alternative zu femininen Rüschenblusen und Tellerröcken.

Die Bewohner des Fashioncapital sind so vielfältig wie ihre Stadt. Jeder findet hier seine (Mode)nische, in der er sich selbst verwirklichen und individuell am Besten ausdrücken kann. Und genau dieses Potpourri aus verschiedenen Modeströmungen und Stilen ist es, woraus Designer ihre Inspiration ziehen.